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EIN KURZGESCHICHTE

"Schmutzige servietten"


Lauren hat einen langen Weg zurückgelegt, um an den Punkt zu kommen, an dem sie jetzt steht.

Nach jahrelangem intensivem Tanzunterricht wurde sie im Alter von sechs Jahren darauf vorbereitet, eine professionelle Tänzerin zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, besuchte sie als Teenager ein privates Internat für darstellende Künste (Interlochen Arts Academy) und später eine private Universität in Kalifornien (Calarts), um ihre Tanzausbildung fortzusetzen. Aus persönlichen Gründen brach sie ihr Tanzstudium ab und zog nach Los Angeles, wo sie eine Stelle als Kellnerin in einem Spitzenrestaurant bekam. Sie beteiligte sich weiterhin an verschiedenen Performance-Projekten, spielte und sang in zwei verschiedenen Bands, gestaltete Performance-Kunst Ausstellungen und spielte in kleinen Theaterproduktionen mit.

Im Jahr 2009 zog sie nach London, um an der International School of Corporeal Mime zu studieren. Diese Kunstform ist weit davon entfernt, Pantomime zu sein, und ist eine extrem anspruchsvolle und disziplinierte physische Theatertechnik. Ihre Ausbilder waren Assistenten des berühmten Etienne Decroux, der diese Kunstform kodifiziert hat. Sie lebte in einem winzigen ungeheizten Zimmer in Walthamstow und musste Vollzeit als Kellnerin arbeiteten, um über die Runden zu kommen. Sie zog von einem Teil Londons zum nächsten und nahm den Nachtbus nach Hause, sobald sie mit dem Zählen von Hunderten von schmutzigen Servietten im Kneipe fertig war. 

Sie lernte, was es bedeutet, sich anzustrengen.

Die Zeit in London war nicht nur lehrreich, sondern auch ein bitteres Erwachen - eine harte Realität im Vergleich zum glänzenden Glamour von Los Angeles. Sie streckte ihre Ellbogen aus und legte sich eine dicke Haut zu - einen unsichtbaren Kettenpanzer. Im Jahr 2011 bekam sie einen Job als kreative Mitarbeiterin im Event-bereich des Superclubs London. Sie organisierte Nightclub-Performances, bei denen oft Pyrotechnik, Luftakrobaten und Körperkünstler zum Einsatz kamen, die manchmal ihre eigenen Körperflüssigkeiten sowie Blut herausgezogen haben.

2012 erhielt sie eine E-Mail von einem ehmalige Studienfreund, und der Proben- und Trainingsleiter bei Johannes Wieland in Kassel. Ihm war aufgefallen, dass Lauren in London lebte, und da die Kompanie neue Tänzer*innen suchte, lud er sie zum Vortanzen ein. Zunächst lehnte sie das Angebot ab, da sie zu diesem Zeitpunkt seit 8 Jahren nicht mehr getanzt hatte, aber mit ein wenig Überzeugungsarbeit beschloss sie, zum Vortanzen zu gehen und ihr Glück zu versuchen.


Sie hörte auf, ihren abendlichen Whiskey zu trinken und begann am nächsten Tag zu joggen.

Das Vortanzen bei Johannes Wieland ist bekanntlich lang und zermürbend. Jeder Tänzer:in kann sehr stolz auf sich sein, wer es geschafft und überlebt hat. Lauren kämpfte und stolperte durch die körperlichen Strapazen und grub die letzten Energiereserven in ihrem Körper aus. Ihre Bemühungen zahlten sich aus, und sie wurde nach Kassel eingeladen, um ihren ersten Vertrag als professionelle Tänzerin zu erfüllen.

Nach drei Gastverträgen als Tänzerin unter Johannes Wieland wurde sie 2015 zur Proben- und Trainingsleiterin ernannt. Diese Beförderung inspirierte sie, alle Facetten einer Tanzkompanie zu verstehen und setzte ihre persönlichen Ambitionen für die kommenden Jahre in Gang. Indem sie lernte, Vertrauen zu finden und die Zweifel anderer an ihren Kompetenzen zu ignorieren, wuchs sie sowohl persönlich als auch beruflich schnell. 2018 übernahm sie die Leitung der Tanzdramaturgie, das Company Management und die Gastspielkoordination. Sie war verantwortlich für mehr als 40 Produktionen pro Spielzeit, sowie Tanzstücke, Theaterstücke, Lesungen, Konzerte und Sonderveranstaltungen. 


Im Februar 2022 hat sie eine Weiterbildung im Kultur- und Eventmanagement abgeschlossen und sich mit dem Hybridmodell der darstellenden Künste selbstständig gemacht. Sie blickt mit großer Freude auf die Zukunft und die interessanten Projekte, die auf sie zukommen. 


Sie ist auch der festen Überzeugung, dass das Zählen der schmutzigen Servietten ihre Zeit wert war.